Schank-Lizenz und LMHV für Klein-Café 2026
Was Café-Gründer 2026 in Berlin tatsächlich brauchen: Schank-Lizenz nach BlnGastG, IHK-Sachkunde, LMHV-Hygiene-Schulung, HACCP-Konzept, Allergen-Kennzeichnung, GEMA, Umsatz-Steuer und Brandschutz — mit konkreten EUR-Beträgen und Paragraphen.
Wer 2026 in Berlin ein Klein-Café eröffnet, steht vor einem juristischen Verordnungs-Geflecht aus mindestens sieben Regelungs-Komplexen: Berliner Gaststätten-Gesetz (BlnGastG), Gewerbe-Ordnung, Lebensmittel-Hygiene-Verordnung (LMHV), Lebensmittel-Informations-Verordnung (LMIV), GEMA-Wahrnehmungs-Vertrag, Umsatz-Steuer-Gesetz (UStG) und Berliner Bauordnung mit Brandschutz-Anlage. Wir gehen die Pflichten durch, mit konkreten EUR-Beträgen, Behörden und Paragraphen.
Schank-Lizenz nach Berliner Gaststätten-Gesetz
Berlin hat das ehemalige Bundes-Gaststätten-Gesetz 2011 durch das Berliner Gaststätten-Gesetz (BlnGastG) ersetzt. Für ein Café, das ausschließlich nicht-alkoholische Getränke und Speisen führt (Kaffee, Tee, Kuchen, kleine Speisen), ist keine Gaststätten-Erlaubnis erforderlich — die Schank-Lizenz greift erst beim Ausschank von Alkohol gegen Entgelt zum Verzehr an Ort und Stelle (§ 2 BlnGastG).
Ein Café, das Wein oder Aperitivo-Karte führt, braucht die Erlaubnis. Beantragt wird sie beim bezirklichen Ordnungs-Amt — in Berlin je nach Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Mitte, Tempelhof-Schöneberg etc. Voraussetzungen sind drei: persönliche Zuverlässigkeit, Sachkunde-Nachweis, Räumlichkeit-Eignung.
Der IHK-Sachkunde-Nachweis (auch „Unterrichtungs-Nachweis” nach § 4 BlnGastG) wird in eintägiger Schulung bei der IHK Berlin oder bei zugelassenen privaten Anbietern erworben. Kosten 2026: 89 bis 180 Euro netto je nach Anbieter. Die Schulung dauert 6 bis 8 Stunden und schließt mit schriftlicher Prüfung von 25 bis 40 Multiple-Choice-Fragen ab. Inhalte: Lebensmittel-Recht, Hygiene, Jugend-Schutz-Gesetz, Preis-Auszeichnungs-Verordnung, Gaststätten-Verordnungs-Grundlagen.
Das Polizeiliche Führungs-Zeugnis nach § 30 Abs. 5 Bundeszentralregister-Gesetz wird als „Beleg-Art O” beim Bürger-Amt beantragt — also direkt für die Vorlage bei einer Behörde, nicht zur Eigen-Vorlage. Kosten: 13 Euro, Bearbeitungs-Zeit zwei bis vier Wochen.
Gewerbe-Anmeldung und Nutzungs-Änderung
Die Gewerbe-Anmeldung läuft beim bezirklichen Ordnungs-Amt (in Berlin im selben Haus wie die Gaststätten-Erlaubnis). Kosten 2026: 26 bis 31 Euro. Die Anmeldung muss vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen, eine Vor-Datierung ist unzulässig.
Wenn das Café in einer Räumlichkeit eröffnet, die vorher anders genutzt wurde (z. B. ehemaliges Reise-Büro, Laden-Geschäft, Friseur), ist eine Nutzungs-Änderung beim Bezirks-Bauamt zu beantragen. Grundlage ist § 60 Berliner Bauordnung (BauO Bln). Für ein Café (Gastronomie) gegenüber Einzel-Handel (Verkauf) ändert sich die bauliche Nutzungs-Klasse, was Anforderungen an Sanitär-Räume, Lüftung und Brandschutz nach sich zieht.
Praxis-Hinweis: Die Nutzungs-Änderung dauert in Berlin 2026 typischerweise drei bis fünf Monate. Wer einen Pacht-Vertrag unterschreibt, ohne die Nutzungs-Genehmigung zu prüfen, riskiert eine ablehnende Bauamt-Entscheidung und steht mit laufenden Pacht-Kosten ohne Eröffnungs-Möglichkeit da. Gebühren für die Nutzungs-Änderung liegen zwischen 250 und 1.800 Euro je nach Umfang und Quadratmeter-Fläche.
LMHV und HACCP — die Hygiene-Pflichten
Die Lebensmittel-Hygiene-Verordnung (LMHV) in Verbindung mit EU-Verordnung 852/2004 verpflichtet jeden Lebensmittel-Betrieb zur Einhaltung von Hygiene-Grundsätzen. Für ein Café gelten drei Kern-Pflichten.
Erstens die Hygiene-Schulung nach § 4 LMHV. Jeder Mitarbeiter, der mit unverpackten Lebensmitteln umgeht (also auch Service-Personal, das Kuchen-Stücke aus der Vitrine entnimmt), muss vor Tätigkeits-Beginn geschult werden. Schulung dauert 1 bis 2 Stunden, kann intern dokumentiert oder über externe Schulungs-Anbieter bezogen werden (35 bis 80 Euro pro Person). Jährliche Wiederholungs-Schulung ist Pflicht.
Zweitens die Erst-Belehrung nach § 43 Infektions-Schutz-Gesetz (IfSG) durch das Gesundheits-Amt vor Aufnahme der Tätigkeit. Kosten 2026: 30 bis 40 Euro pro Person, je nach Bezirk. Die Belehrung umfasst die Aufklärung über Tätigkeits-Verbote bei bestimmten Krankheiten (Hepatitis A, Salmonellose, Typhus, infektiöse Gastro-Enteritis). Wiederholung nicht erforderlich, aber jährliche Folge-Belehrung durch den Betriebs-Inhaber dokumentiert.
Drittens das HACCP-Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Points) nach Art. 5 EU-VO 852/2004. Jeder Lebensmittel-Betrieb muss ein schriftliches HACCP-Konzept führen, das die spezifischen Gefahren des Betriebs analysiert und Kontroll-Punkte definiert. Das Konzept besteht aus 7 Schritten: Gefahren-Analyse, Bestimmung der kritischen Kontroll-Punkte (CCP), Grenz-Werte je CCP, Überwachungs-Verfahren, Korrektur-Maßnahmen, Verifizierungs-Verfahren, Dokumentation.
Für ein Café typische CCPs sind: Lager-Temperatur Kühl-Vitrine (max. 7 °C für Milch-Produkte, max. 4 °C für leicht-verderbliche Speisen), Lager-Temperatur Tiefkühl (max. -18 °C), Kern-Temperatur erhitzte Speisen (mind. 70 °C über 10 Minuten), Reinigungs-Zyklen Espresso-Maschine, Wasch-Becken-Trennung (Hand-Wasch-Becken separat von Spül-Becken).
Externe Beratung für HACCP-Erstellung kostet 2026 zwischen 450 und 1.200 Euro für ein Klein-Café. Vorlagen vom Hotel- und Gaststätten-Verband (DEHOGA) oder von der Berliner Industrie- und Handels-Kammer sind teilweise kostenlos verfügbar.
Allergen-Kennzeichnung nach LMIV
Die Lebensmittel-Informations-Verordnung (LMIV), EU-VO 1169/2011, verpflichtet seit 2014 zur Allergen-Kennzeichnung auch für unverpackte Lebensmittel im Café-Verkauf. 14 deklarations-pflichtige Stoff-Gruppen sind nach Anhang II LMIV zu kennzeichnen:
- Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut)
- Krebs-Tiere
- Eier
- Fische
- Erd-Nüsse
- Soja-Bohnen
- Milch (einschließlich Laktose)
- Schalen-Früchte (Mandeln, Hasel-Nüsse, Walnüsse, Cashews, Pekan, Para, Pistazien, Macadamia)
- Sellerie
- Senf
- Sesam-Samen
- Schwefel-Dioxid und Sulfite (über 10 mg/kg)
- Lupinen
- Weich-Tiere
Praxis-Form in Berliner Cafés 2026: Speise-Karte mit Allergen-Code als Fuß-Note pro Position (z. B. „Tiramisu (1, 3, 7, 8)”), oder Aushang mit Allergen-Matrix-Tabelle am Eingangs-Bereich. Mündliche Auskunft durch geschultes Personal ist nach § 4 Abs. 4 Lebensmittel-Informations-Durchführungs-Verordnung (LMIDV) zulässig, muss aber durch schriftliche Aufstellung im Hinter-Grund belegt sein.
Bußgelder bei Verstoß: bis zu 100.000 Euro nach § 60 Lebensmittel- und Futtermittel-Gesetzbuch (LFGB), in der Praxis bei Erst-Verstoß 250 bis 1.500 Euro je nach Schwere.
GEMA-Anmeldung für Hintergrund-Musik
Wer im Café Musik abspielt — Radio, Spotify, eigene Playlist, Vinyl — ist nach Urheber-Rechts-Gesetz (UrhG) verpflichtet, mit der GEMA einen Wahrnehmungs-Vertrag abzuschließen. Die Tarif-Struktur 2026 richtet sich nach Verkaufs-Fläche und Öffnungs-Stunden.
Für ein Café bis 50 m² Verkaufs-Fläche mit täglicher Hintergrund-Musik liegt der GEMA-Jahres-Beitrag 2026 zwischen 190 und 240 Euro netto. Bei 51 bis 100 m² zwischen 290 und 380 Euro. Bei Live-Musik-Veranstaltungen kommen separate Tarif-Punkte hinzu.
Die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungs-Schutz-Rechten) erhebt zusätzlich einen Leistungs-Schutz-Beitrag für Ton-Träger-Hersteller und ausübende Künstler. Höhe 2026: etwa 25 bis 40 Prozent des GEMA-Beitrags, separat fällig.
Wer keine Musik abspielt — kein Radio, kein Streaming-Dienst — ist von GEMA-Pflicht befreit. Die schriftliche Erklärung an die GEMA ist trotzdem empfehlenswert, weil GEMA-Mitarbeiter routinemäßig Café-Räume aufsuchen und Tarif-Bescheide ausstellen.
Umsatz-Steuer — 7 vs. 19 Prozent
Die Umsatz-Steuer-Behandlung in der Gastronomie ist 2026 nach mehreren Reformen wieder im klassischen Modell: 7 Prozent reduzierter Steuer-Satz auf To-Go-Verkauf, 19 Prozent regulärer Steuer-Satz auf Verzehr vor Ort.
Praxis-Pflicht: Das Kassen-System muss die beiden Steuer-Sätze sauber trennen können. Ein Cappuccino zum Mitnehmen läuft mit 7 Prozent, derselbe Cappuccino im Sitzen mit 19 Prozent. Die TSE-Pflicht (Technische Sicherheits-Einrichtung) nach Kassen-Sicherungs-Verordnung (KassenSichV) verlangt seit 2020 eine zertifizierte Kassen-Lösung mit Manipulations-Schutz — Anschaffung 2026 zwischen 350 und 1.200 Euro je nach System, plus jährlich 80 bis 240 Euro Lizenz-Kosten.
Belege müssen seit 2020 nach § 146a Abgaben-Ordnung (AO) zwingend ausgehändigt werden — die Belegausgabe-Pflicht gilt auch bei kleinen Beträgen, kann aber elektronisch (per QR-Code-Anzeige) erfüllt werden.
Brandschutz nach Berliner Bauordnung
Berliner Brandschutz-Auflagen für Cafés sind in der Bauordnung Berlin (BauO Bln), der Berliner Versammlungs-Stätten-Verordnung (BetrVO) und der Berliner Feuerwehr-Verordnung geregelt.
Flucht-Wege müssen bei mehr als 50 Personen Aufenthalts-Möglichkeit doppelt vorhanden sein, mit max. 35 m Entfernung zum Ausgang. Für ein Klein-Café unter 50 Personen reicht ein Flucht-Weg, dieser muss aber frei von Möbeln und ständig benutzbar sein.
Feuer-Löscher-Pflicht greift ab 20 m² Verkaufs-Fläche. Mindestens ein 6-Liter-Schaum-Löscher (Brand-Klasse A und B) plus ein 5-Liter-Fett-Brand-Löscher (Brand-Klasse F), wenn frittiert oder mit heißem Öl gearbeitet wird. Wartung jährlich durch zertifizierten Prüf-Dienst, Kosten 30 bis 50 Euro pro Löscher und Jahr.
Flucht-Weg-Pläne sind ab 50 m² Verkaufs-Fläche im öffentlichen Bereich auszuhängen. Maßstab 1:100, Format DIN A3, mit Standort-Markierung „Sie befinden sich hier”. Erstellung durch Brandschutz-Sachverständigen kostet einmalig 180 bis 450 Euro.
Rauch-Melder sind in Berliner Café-Räumen mit Aufenthaltsräumen nach § 48 BauO Bln Pflicht — typischerweise mindestens ein Melder pro Raum, zentrale Melde-Anlage erst ab 200 m² Versammlungs-Stätten-Schwelle.
Zusammenfassung der Eröffnungs-Kosten 2026
| Posten | Spanne |
|---|---|
| Gewerbe-Anmeldung | 26–31 EUR |
| IHK-Sachkunde-Schulung | 89–180 EUR |
| Polizeiliches Führungs-Zeugnis | 13 EUR |
| Gaststätten-Erlaubnis (nur bei Alkohol) | 80–250 EUR |
| Nutzungs-Änderung Bauamt | 250–1.800 EUR |
| Hygiene-Schulung pro Mitarbeiter | 35–80 EUR |
| IfSG-Belehrung pro Mitarbeiter | 30–40 EUR |
| HACCP-Konzept extern | 450–1.200 EUR |
| GEMA Jahres-Beitrag (< 50 m²) | 190–240 EUR |
| GVL Leistungs-Schutz | 50–95 EUR |
| TSE-Kassen-System | 350–1.200 EUR |
| Feuer-Löscher (2 Stück) | 120–180 EUR |
| Flucht-Weg-Plan-Erstellung | 180–450 EUR |
Eröffnungs-relevante Behörden-Gänge und Drittleistungen liegen in Summe für ein klassisches Berliner Klein-Café 2026 zwischen 2.100 und 6.000 Euro — Pacht-Kaution, Einrichtung und Wareneingangs-Lager nicht eingerechnet. Wer diese Liste ohne juristische Beratung abarbeitet, sollte mindestens drei bis vier Monate Vorlauf zwischen Pacht-Unterschrift und geplanter Eröffnung einplanen.